Eine Erwiderung des Autors auf meine Rezension des Buches „Wälder in Bewegung“
Vor wenigen Tagen erreichte mich eine E-Mail von Dr. Christian Kölling, dem Autor des Buches „Wälder in Bewegung“, das ich hier rezensiert habe. In seiner E-Mail nimmt er als Autor kritisch, aber freundlich und wertschätzend Stellung zu meiner Rezension, worüber ich mich offen gestanden sehr gefreut habe. Auch wenn wir in der Sache zum Teil abweichende Meinungen vertreten, begrüße ich es natürlich, wenn beide Seiten stets offen für einen sachlichen und respektvollen Dialog bleiben. Unser Wald befindet sich – unter Druck gesetzt durch den Klimawandel – in einem kritischen Zustand, und die Debatte darüber, wie wir die Zukunft unser Wälder sichern können, wird kontrovers und teils sehr emotional geführt. Da erscheint es mit besonders wichtig, dass alle Akteure in einem konstruktiven Austausch bleiben und es nicht zu einer Verhärtung der Fronten kommen lassen.
Herr Kölling hat mir freundlicherweise gestattet, seine Stellungnahme zu veröffentlichen. Im Folgenden seine ungekürzte E-Mail:
Hallo Herr Liebermann,
heute habe ich Ihren Blogbeitrag (Waldumbau – Lösung oder Irrweg? – Bürgerwaldinitiative Kreis Offenbach) zu meinem Buch „Wälder in Bewegung“ gelesen. Sie haben sich wirklich viel Mühe gegeben und das Buch sorgfältig gelesen und kritisch gewürdigt. Das finde ich super, jeder Autor wünscht sich solche Leser, auch wenn sie nicht in allem seiner Argumentation folgen. Mittlerweile bin ich Rentner und befasse mich gar nicht mehr mit Forstthemen, sondern mit Naturschutz und Stadtgrün. Meinen Abschiedsartikel finde Sie hier verlinkt. Aus dem wird vielleicht nochmal deutlich, dass es sich bei „Unterstützter Wanderung“ und „Bedachter Anreicherung“ nicht um Möglichkeiten, sondern gelebte Praxis in einigen Regionen, darunter auch in dem von mir bespielten Raum im nördlichen Mittelfranken handelt.
Am Ende Ihrer Besprechung greifen Sie das Homo-Faber-Argument auf. Dazu habe ich Ihnen unten die recht schlaue Antwort der KI (Google Gemini) hinkopiert. Das Fazit könnte ich selbst nicht besser formulieren: „Das Homo-Faber-Argument fungiert als Warnung vor forstlicher Selbstüberschätzung. Die moderne Forstwirtschaft versucht heute meist, eine Brücke zu schlagen: Einen naturnahen Waldumbau, der zwar menschliche Impulse setzt (z. B. Mischwaldstrukturen pflanzen), aber der natürlichen Dynamik und Selbstregulation des Ökosystems den größtmöglichen Raum überlässt.“. Ich weiß, dass bestimmte Kreise, darunter der NABU (in Bayern: LBV) und der BUND (in Bayern BN, ich bin Mitglied) eine große und tief verankerte Abneigung gegen alles Ingenieurmäßige im Wald haben. Meine gegenläufige Argumentation dafür lautet: Der Mensch hat mit dem Klimawandel sehenden Auges eine technische Umweltkatastrophe beschworen, indem er über hundert Jahre lang die Atmosphäre als Müllkippe missbraucht hat. Es ist nun sehr viel von den Selbstregulationskräften der Natur verlangt, die Heilung der Auswirkungen dieser Altlast auf den Wald der Natur allein zu überlassen, zumal diese darauf gar nicht vorbereitet und trainiert ist. Nicht mit aktiven Maßnahmen, sondern mit Nichtstun und dem Zulassen der Selbstheilungskräfte der Natur zu begegnen, ist angesichts der Größe und Neuheit des Problems zu wenig. Technisches, ingenieurmäßiges Handeln hat den Wald in eine prekäre Lage gebracht, nun soll demütiges Warten auf die dynamische Selbstheilung (D. Knapp) das Problem lösen? Das verstehe wer will, ich halte es dagegen für moralisch geboten und zweckmäßig, der Natur mit ein paar maßvollen und bedachten Interventionen unter die Arme zu greifen und so ihre Überforderung zu kompensieren. Das ist eine Frage der Verantwortung. Wer die Lage herbeigeführt hat (der Mensch), muss sich auch an der Rettungsaktion beteiligen. Auf allen Feldern der Klimawandelanpassung beobachtet man aktive Interventionen, warum sollte der hochbetroffene Wald da als einziges Feld außen vor bleiben?
Ich habe einen sehr großen Respekt vor den Grenzen des Wissens und auch genügend Verehrung für die Regulationskräfte der Natur. Aber ich möchte nicht in Demut erstarren, sondern mit guter und maßvoller Ingenieurskunst etwas wieder einrenken, was der Mensch mit seinem verantwortungslosen Handeln ausgerenkt hat. Im verlinkten Artikel können sie sehen, wie das in der Praxis gelingt. Übrigens folgten wir Ihrer Anregung und machten die Löcher zur Aufnahme der Zukunftsbaumarten aus den Zwillingsregionen 800 – 1000 m² groß: das Baumwohl steht über allem, dazu gehört auch die Versorgung mit Licht und Wasser.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Kölling
Prompt: „Homo-Faber-Argument Waldumbau“
Das Homo-Faber-Argument im Kontext des Waldumbaus beschreibt den philosophischen und forstwissenschaftlichen Konflikt zwischen technokratischer Machbarkeit und ökologischer Selbstregulation. Es thematisiert die Frage, inwieweit der Mensch (als Homo faber – der „schaffende“, technologisch gestaltende Mensch) den Wald aktiv umbauen und kontrollieren darf oder ob er sich auf die Naturerfahrung und natürliche Prozesse verlassen sollte. [1, 2, 3]
Der Begriff wird in forstlichen Debatten (insbesondere geprägt durch Forstwissenschaftler wie Christian Kölling) herangezogen, um zwei gegensätzliche Denkschulen beim Waldumbau im Klimawandel zu verdeutlichen: [1]
1. Das Homo-Faber-Paradigma (Der technokratische Waldumbau)
- Die Kernthese: Der Klimawandel verläuft schneller, als sich heimische Baumarten evolutionär anpassen können. Daher muss der Mensch aktiv, planerisch und ingenieurmäßig eingreifen. [1, 2, 3]
- Die Maßnahmen: Gezielte Einbringung von (teils nicht-heimischen) klimaresilienten Baumarten, künstliche Verjüngung durch Pflanzung, intensive Pflege und forsttechnische Steuerung des Ökosystems. [1, 2]
- Kritik im Sinne des Arguments: Der Mensch verhält sich wie Walter Faber aus Max Frischs gleichnamigem Roman: Er vertraut ausschließlich auf Berechnungen, Modelle und die technologische Beherrschbarkeit der Natur, blendet dabei jedoch die unvorhersehbare Eigendynamik und Komplexität lebender Systeme aus. [1, 2, 3]
2. Das Gegenargument (Die ökologische Demut)
- Die Kernthese: Der Wald ist kein technisches Konstrukt, sondern ein dynamisches, selbstregulierendes Ökosystem.
- Die Maßnahmen: Fokus auf natürliche Sukzession (Naturverjüngung), Förderung der Biodiversität und Vertrauen darauf, dass sich der Wald aus eigener Kraft anpasst. [1, 2]
- Das Argument: Der Versuch des Homo faber, den perfekten „Zukunftswald“ am Reißbrett zu entwerfen, läuft Gefahr, die gleichen Fehler zu wiederholen, die im 19. und 20. Jahrhundert zu den anfälligen Fichten- und Kiefernmonokulturen geführt haben. [1, 2]
Fazit & Abwägung
Das Homo-Faber-Argument fungiert als Warnung vor forstlicher Selbstüberschätzung. Die moderne Forstwirtschaft versucht heute meist, eine Brücke zu schlagen: Einen naturnahen Waldumbau, der zwar menschliche Impulse setzt (z. B. Mischwaldstrukturen pflanzen), aber der natürlichen Dynamik und Selbstregulation des Ökosystems den größtmöglichen Raum überlässt. [1, 2]

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