Der Kommunalwald ist der Wald vor unserer Haustür. Er schließt sich an den unmittelbaren Lebensraum der Bürgerinnen und Bürger an und erweitert diesen. Er dient den Menschen im Kreis Offenbach als Ort der Erholung, des Sports und der Inspiration, als Rückzugsort und Kraftquelle.
Viele, die regelmäßig den Wald aufsuchen und nutzen, haben den besorgniserregenden Zustand der Wälder vor ihrer Haustüre bemerkt und fürchten sich vor einer weiteren Verschlechterung. Stürme, Dürre und langanhaltende Hitze haben den Bäumen in den letzten 10 Jahren erkennbar zugesetzt. Wir alle kennen die Bilder von dystopischen Landschaften im Taunus, Harz, Westerwald und anderen Orten. Es sind Bilder, die Angst machen und zum Handeln auffordern: dies darf sich nicht mit unserem Wald wiederholen!
Zugleich müssen wir feststellen, dass unser Wald immer wieder durch rücksichtslose und radikale forstliche Eingriffe weiter geschwächt wird. Dabei fällt auf, dass Zielkonflikte zwischen der wirtschaftlichen Nutzung und dem Schutz des Ökosystems Wald regelmäßig verschwiegen werden. Stattdessen werden primär der Holzerzeugung dienende Eingriffe, die mit schweren Schädigungen an Boden und Bestand einhergehen, als Maßnahmen zum Schutz und zur Pflege des Waldes deklariert. Viele haben das Vertrauen in diese Art der Waldbewirtschaftung verloren, aber fühlen sich hilf- und machtlos, weil sie keine Möglichkeit sehen, darauf Einfluss zu nehmen, was mit unserem Wald geschieht.
Daher fordern wir: der Kommunalwald soll als Bürgerwald neu gedacht und Bürgerinnen und Bürger sollen in Fragen der Waldentwicklung einbezogen werden. Konkret bedeutet dies:
- Forsteinrichtungen, Zahlen zu Holzvorräten und Einschlagsmengen sowie Unterlagen zu geplanten forstlichen Maßnahmen müssen jederzeit und in digitaler Form öffentlich zugänglich sein. Wald in öffentlicher Hand darf keinen Betriebsgeheimnissen unterliegen!
- Bei Entscheidungen über die künftige Bewirtschaftung unserer Kommunalwälder sollen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung geschaffen oder erweitert werden. Dies kann auf kommunaler Ebene in Form von Runden Tischen wie in Darmstadt oder durch Einrichtung eines Waldbeirats erfolgen. Unter Einbeziehung von Naturschutzverbänden und interessierten Bürgern sollen mögliche Bewirtschaftungsstrategien gemeinsam mit der Kommunalverwaltung und der Forstbetriebsleitung beraten werden.
- Der Anteil von nicht für die Holzproduktion genutzten Waldflächen (sog. Prozessschutzflächen) soll überprüft und kreisweit auf mindestens 10% erhöht werden. Die Auswahl der Flächen soll sich nicht primär an deren Wirtschaftlichkeit, sondern an ihrem ökologischen Potential orientieren.
- Für die bewirtschafteten Flächen soll überprüft werden, ob, wo und in welchem Umfang Modelle der naturnahen Waldbewirtschaftung wie das Dauerwaldkonzept von Alfred Möller oder das Lübecker Modell Anwendung finden können.
- Unabhängig vom Ergebnis dieser Prüfung sollen die Ökosystemleistungen sowie die Erholungsfunktion gegenüber der Funktion des Waldes als Holzlieferant stärker als bisher priorisiert werden.
- Forstliche Eingriffe zur Holzernte, Verkehrssicherung oder zum Waldumbau sollen auch als potenzielle Störungen des Ökosystems begriffen werden, die sich zu Störungen durch extreme Wetterlagen im Rahmen des Klimawandels addieren und sich mit diesen wechselseitig verstärken können.
